Telefonischer Rückruf / Zeitarbeitsfirma tappt in Datenschutz-Falle

1 Feb

Soeben erreicht mich die E-Mail eines Erwerbslosen, der von seinem Jobcenter zwischen Weihnachten und Neujahr 2016 einen Stellenvermittlungsvorschlag mit Rechtsfolgenbelehrung erhalten hat, sich innerhalb von drei Werktagen bei einem Zeitarbeitsunternehmen als Callcenter-Agent für den Bereich Catering schriftlich zu bewerben, was er jedoch erst im Neuen Jahr 2016 tat. Nach rund vier Wochen rief er das Leiharbeitsunternehmen an. Hier das Telefongespräch :

Personaldisponentin : „Handstad Personaldienstleistungen. Meine Name ist Andrea Hoffmann.“

Erwerbsloser : „Guten Tag! Mein Name ist Udo Meier.“

Personaldisponentin : „Guten Tag, Herr Meier. Was kann ich für Sie tun?“

Erwerbsloser : „Ich hatte mich vor ungefähr vier Wochen bei Ihnen als Callcenter-Mitarbeiter für den Bereich Catering beworben und habe letzte Woche von Ihnen eine schriftliche Absage per Post erhalten.“

Personaldisponentin : „Und wo liegt Ihr Problem?“

Erwerbsloser : „Ich hätte gern von Ihnen gewußt, was der genaue Grund für die Absage war. Könnten Sie mir da bitte weiterhelfen?“

Personaldisponentin : „Ich kann versuchen Sie in die Personalabteilung zu stellen. Haben Sie den Namen der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters, welcher Ihnen die Absage schickte?“

Erwerbsloser : „Ja, den hab´ ich. Das Schreiben wurde von einer Melanie Krause unterschrieben.“

Personaldisponentin : „Ein Momentchen bitte, ich verbinde Sie … “

Nach einer halben Minute Warteschleife mit Musik ging es weiter.

Personaldisponentin : „Guten Tag Herr Meier. Sie sprechen mit Frau Krause. Meine Kollegin, die Frau Hoffmann, hat mir schon alles erzählt worum es geht. Von wann genau war Ihre Bewerbung?“

Erwerbsloser : „Vom 04.01.2016“

Personaldisponentin : „Ein Moment bitte, der Computer sucht es sofort heraus.“

Erwerbsloser : „Jo.“

Personaldisponentin : „So. Da haben wir Sie ja. Bewerbung als Callcenter-Mitarbeiter für den Bereich Catering vom 04.01.2016. Sie haben von uns eine Absage erhalten, weil …“

Erwerbsloser unterbricht plötzlich die Mitarbeiterin.

Erwerbsloser : „Waren das Foto auf dem tabellarischen Lebenslauf und meine Unterschrift auf dem Bewerbungsanschreiben eigentlich gut zu erkennen?“

Personaldisponentin : „Ähhh – Moment. Da muß ich erstmal die PDF öffnen. Ihre Unterschrift auf dem Anschreiben ist zwar etwas klein, aber Ihr Foto auf dem Lebenslauf ist gut zu erkennen, Herr Meier. Ähh – was ich sagen wollte : Sie haben die Absage von uns erhalten, weil ein anderer Mitbewerber sich aus einer ungekündigten Stellung heraus bei uns beworben hat und Sie dagegen schon eine längere Zeit aus dem Erwerbsleben heraus sind. War´s das oder haben Sie noch weitere Fragen?“

Erwerbsloser : „Wären Sie so freundlich mir zu erklären, wieso meine Daten bei Ihnen im Computer noch gespeichert sind?“

Personaldisponentin : „Ja, das versteh´ ich ehrlich gesagt auch nicht. Das Auswahlverfahren ist bereits seit letzten Mittwoch beendet. Normalerweise hätten Ihre Bewerbungsunterlagen aus dem System gelöscht werden müssen.“

Erwerbsloser : „Aber Sie haben doch nicht etwa meine Daten auch noch an Dritte übermittelt oder?“

Personaldisponentin : „Aber nein, nein! Wo denken Sie hin. Wir müssen uns doch alle an das Bundesdatenschutzgesetz halten.“

Erwerbsloser : „Ehrenwort?“

Personaldisponentin : „Ehrenwort!“

Erwerbsloser : „Dann erklären Sie mir mal bitte , woher meine Fallmanagerin vom Jobcenter weiß, daß ich mich bei Ihnen erst nach dem Jahreswechsel, also drei Werktage zu spät bei Ihnen beworben hatte und warum ich jetzt eine schriftliche Leistungskürzung per Sanktionsbescheid im Postkasten habe?“

Personaldisponentin : „Au, shit“, und legte einfach auf.

Erwerbsloser rief erneut an und ließ sich wieder mit Frau Krause verbinden.

Personaldisponentin : „Mein Name ist Krause. Was kann ich für Sie tun?“

Erwerbsloser : „Ich bin´s.“

Personaldisponentin (ganz aufgeregt) : „Herr Meier? Wir müssen das hier alle tun, sonst verlieren wir unseren Job!“

Erwerbsloser : „So so, Frau Krause! Haben Sie eigentlich das Kleingedruckte in dem letzten Absatz meines Bewerbungsanschreibens gelesen und verstanden? Würden Sie den bitte einmal laut und deutlich vorlesen?“

Personaldisponentin (mit zittriger Stimme) : „Meinen Sie den Absatz hier? Ich zitiere – Diese Nachricht ist nur für den o.g. Arbeitgeber bestimmt und enthält Informationen, die vertraulich sind. Durch deren Übersendung wird nicht auf das Datenschutzrecht am Inhalt oder auf die Vertraulichkeit des Inhalts verzichtet.  Jede Form der Kenntnisnahme, Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe der erlangten Informationen über den o.g. Arbeitnehmer durch den o.g. Arbeitgeber gegenüber Dritten beispielsweise Jobcentern ist unzulässig und wird zu Lasten des o.g. Arbeitgebers zugunsten des o.g. Arbeitnehmers mit einer Konventionalstrafe in Höhe von 50.000 Euro, zahlbar innerhalb 14 Tagen, fällig. Gern können Sie meine Daten gegen die Zahlung einer Schutzgebühr in Höhe von 50.000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer in Ihrer Adressdatenbank für 12 Monate führen. Die Weitergabe meiner Daten an Dritte ist Ihnen während dieses Zeitraumes und darüber hinaus nicht gestattet. Für die unerlaubte Aufbewahrung meiner Daten werden 500.000 Euro fällig, für die unerlaubte Weitergabe meiner Daten an Dritte werden für jede unerlaubte Weitergabe jeweils 1.000.000 Euro fällig, bei geschäftsmäßiger/gewerblicher Nutzung dieser unerlaubten Weitergabe jeweils 2.000.000 Euro. Zitat Ende. – Oh Gott oh Gott. Meinen Sie den Absatz, Herr Meier?“

Erwerbsloser : „Genau den meine ich, Frau Krause.“

Personaldisponentin (total mit den Nerven fertig) : „Was machen wir denn jetzt, Herr Meier?“

Erwerbsloser : „Heute ist Zahltag, Frau Krause! Schauen Sie mal auf Ihr FAX-Gerät.“

Nach rund einer halben Minute kehrt Frau Krause wieder zurück ans Telefon und meint :

Personaldisponentin : „RECHNUNG : Unerlaubte Aufbewahrung und Weiterleitung von persönlichen Informationen. 50.000 Euro Konventionalstrafe, 50.000 Euro Schutzgebühr zuzüglich 9.500 Euro Umsatzsteuer, 500.000 Euro unerlaubte Aufbewahrung meiner Daten, unerlaubte Weiterleitung meiner Daten 1.000.000 Euro, geschäftsmäßige/gewerbliche Nutzung dieser unerlaubten Weiterleitung meiner Daten 2.000.000 Euro, zusammen 3.609.500 Euro“, und fängt an zu weinen.

Erwerbsloser : „Wir könnten uns jedoch auch außergerichtlich einigen.“

Personaldisponentin : „Wie denn?“, ganz verheult.

Erwerbsloser : „Haben Sie einen Stift und einen Zettel zur Hand?“

Personaldisponentin : „Ja“, schluchzend.

Erwerbsloser : „Schreiben Sie.“

Personaldisponentin : „Was soll ich schreiben?“

Erwerbsloser : „Eine Schuldanerkennung. Ich diktiere sie Ihnen. Wie heißen Sie mit Vornamen?“

Personaldisponentin : „Melanie.“

Erwerbsloser : „Ich Melanie Krause habe entgegen den in dem Bewerbungsanschreiben von Herrn Udo Meier gemachten Disclaimer private Daten unrechtmäßig gespeichert und diese über den nötigen Zeitraum des Bewerbungsauswahlverfahrens nach Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) hinaus abrufbereit gehalten und mit einem Geschäftstelefon der Firma Handstad Personaldienstleistungen an Dritte, dem Jobcenter, weitergegeben. Ich habe dies in Ausnutzung als Personaldisponentin bei o.g. Firma getan, welche die Daten des Herrn Udo Meier per Denunziationsformular in einem Geschäftsverhältnis mit dem Jobcenter geschäftsmäßig/gewerblich nutzt und diese an das Jobcenter weiterleitet. Da ich über die Rechtswidrigkeit und Strafbarkeit des o.g. Sachverhaltes von meinem Arbeitgeber nicht informiert worden bin und auch bekanntlich Unwissenheit vor Strafe nicht schützt möchte ich mich mit Herrn Udo Meier außergerichtlich einigen. Herr Udo Meier verzichtet auf eine Anzeige nach § 202 StGB (Verletzung des Briefgeheimnisses),  § 203 StGB (Verletzung von Privatgeheimnissen), § 206 StGB (Verletzung des Post- oder Fernmeldegeheimnisses), § 43 BDSG (Bußgeld in Höhe von 300.000 Euro wegen Mißachtung durch unbefugtes Erheben oder Verarbeiten von personenbezogenen Daten, die nicht allgemein zugänglich sind), zweckentfremdete Nutzung entgegen § 28 Abs. 5 Satz 1 BDSG und § 29 Abs. 4 BDSG von übermittelten personenbezogenen Daten zu geschäftsmäßigen/gewerblichen Nutzung, Verletzung von Informationspflichten bei Datenschutzverstößen gemäß
§ 42a BDSG, sowie Verzicht auf die Begleichung des Imageschadens in Höhe von 2.500.000 Euro. Ich verpflichte mich ferner eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen und darüber hinaus eine Summe von 1.000.000 Euro in Raten, die in einer gesonderten Abmachung festgelegt werden, an Herrn Udo Meier zu zahlen. Ich werde diese Schuldanerkennung bei einem Notar an einem noch zu bestimmenden Termin notariell beurkunden lassen, so daß diese ohne Klage sofort vollstreckbar ist. – Da kommt Ihre volle handschriftliche Unterschrift drunter und das Datum.  Das wär´s dann.“

Personaldisponentin : „Und dann wären wir quitt?“

Erwerbsloser : „So ist es, Frau Krause.“

Personaldisponentin : „Einverstanden, Herr Meier.“

Erwerbsloser : „Sie müssen mir nur noch die Schuldanerkenntnis und die Unterlassungserklärung an folgende Nummer faxen.“

Personaldisponentin: „Ja, mache ich sofort fertig, Herr Meier. Einen schönen Tag noch.“

Erwerbsloser : „Danke, Frau Krause. Und viel Spaß beim schaffen.“

Nach drei Tagen geriet Frau Krause von Handstad Personaldienstleistung in Schwierigkeiten und wurde gekündigt, da die externen Telefongespräche der Personaldisponenten von der internen Revision zu Lernzwecken kontrolliert werden. Frau Krause war somit zahlungsunfähig und traf sich mit Herrn Meier auf ein Kaffee, um die neuen Zahlungsmodalitäten zu besprechen. Dabei verliebten sich beide beim ersten Anblick sofort ineinander und sind bis heute ein glückliches Liebespaar. Sie lebten bis zum Ende ihrer Tage von den vielen vielen außergerichtlichen Einigungen, welche sie mit den Personaldisponenten der Zeitarbeitsfirmen, welche ahnungslose Hartz-IV Opfer bei Jobcentern denunzieren, aushandelten und halfen dadurch sanktionierten Hartz-IV Empfängern finanziell aus der Patsche. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie sich noch heute.

 

Der Gesprächsverlauf kann von der Realität geringfügig abweichen. Die Namen aller beteiligten Personen und die Orte der Handlung, Verwechselungen sowie Ähnlichkeiten mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

 

 

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