Wie man Multi-Millionär wird

5 Feb

Du pachtest Dir am Rande der Stadt eine Bürofläche von ca. 120 Quadratmetern bestehend aus 1 Empfangstheke, 1 kleinem Foyer mit gegenüberliegender Toilette und 4 geschlossenen Büros. Das dafür nötige Kleingeld bekommst Du bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

An die Empfangstheke setzt Du eine hübsche ledige kinderlose Frau von max. 30 Jahren in Vollzeit, die sich noch hochficken* will. In die 4 geschlossenen Büros setzt Du jeweils eine verheiratete aber unzufriedene Frau von mind. 50 Jahren in Teilzeit, die sich nicht mehr hochficken* kann.

Die Theken-Tussi beauftragst Du damit Stellenangebote, die es gar nicht gibt, an den Arbeitgeber-Service des „Jobcenters“ per FAX zu übermitteln und die vom „Jobcenter“ eintrudelnen Erwerbslosen, welche per Stellenvermittlungsvorschlag mit Rechtsfolgenbelehrungen aufgefordert wurden sich bei Dir vorzustellen, auf die 4 Büros zu verteilen.

Die 4 keifenden alten Schachteln beauftragst Du damit den ahnungslosen Erwerbslosen die Arbeit, die es gar nicht gibt, so unattraktiv zu quatschen, daß sie den demonstrativ ausliegenden Pseudo-Arbeitsvertrag erst gar nicht unterschreiben wollen.  Per Denunziationsformular den Grund, wie „zu wenig Geld“, „zu weit weg“, „zu doofe Arbeitzeit“, „zu doofe Arbeiten“, weiterleiten.

Für jeden Erwerbslosen, der eine zumutbare Arbeit nicht annimmt und beim „Jobcenter“ von Dir denunziert wird, zahlt Dir das „Jobcenter“ eine Provision von 50% auf die durch Sanktion eingesparten Sozialleistungen. Und das Schönste dabei ist die Folgeprovision, die Du solange bekommst, wie der Erwerbslose sanktioniert ist.

An einem guten Vormittag zwischen 08:00 bis 12:00 Uhr also in 4 Stunden kann eine gehässige Büro-Schachtel 8 Erwerbslose der „Arbeitsunwilligkeit“ überführen. Und nach der Mittagspause mit der Wechselschicht von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr schafft eine gefrustete Büro-Teilzeit-Schachtel nochmal 8 Erwerbslose.

Pro Werktag kannst Du quasi 64 Erwerbslose der „Arbeitsunwilligkeit“ überführen und das obwohl es die Arbeit gar nicht gibt und trotzdem dafür satt Schotter einstreichen. Eine Überführung, wie der Vorgang „intern“ gern genannt wird, bedeutet eine Einsparung für das „Jobcenter“ von 404 Euro/Monat x 30% x 3 Monate  = 363,60 Euro.

Jede Überführung eines „arbeitsunwilligen“ Erwerbslosen bringt eine Provision von 181,80 Euro** für Dich. Im Durchschnitt gehen aber bis zu 64 Erwerbslose pro Werktag durch Deine Geschäftsräume und bringen einen Denunziantenerlös von 11.635,20 Euro/Werktag. Ein Monat aus 20 Werktagen spült Dir 232.704 Euro auf Dein Konto.

Du kannst die Pacht für Deine Geschäftsräume, die Gehälter für Deine 8 kläffenden Büro-Schachteln und Dein KfW-Kredit quasi aus der Portokasse zahlen, Dir endlich einen Mercedes SL 65 AMG leasen oder kaufen und Dir mit der Theken-Tussi 4 mal im Jahr einen schönen Urlaub machen und bist in weniger als einem Jahr Multi-Millionär in einer krisensicheren Branche!

 

* Dieses unglaubliche Wort habe ich gewählt, nicht weil ich ein begeisterter Anhänger dieser primitiven Fäkalsprache wäre, sondern weil es durch sich selbst einen Zustand einer völlig entmoralisierten und durch Geld vollständig ersetzten Gesellschaft beschreibt in der wir uns haben fehlleiten lassen und das Wort „hocharbeiten“ schon lange nicht mehr den aktuellen Trend der Realität wiedergibt. Der Niedergang der Ethik wird weitergehen, solange sich Menschen vom „Management“, als Human Capital oder Human Ressources sich gegenseitig in Konkurrenz setzen lassen, wie die junge attraktive Empfangsdame gegen die älteren Mitarbeiterinnen im Backoffice, welche ihre Unzufriedenheit an den vorgeladenen Erwerbslosen auslassen sollen, geschweige davon welches Leid diesen Hartz IV-Opfern aus geschäftspolitischer Zielsetzung, der Erhöhung der Sanktionsquote widerfährt.

** Die o.g. Zahl kann von Ort zu Ort geringfügig abweichen