Zitat (Daniele Ganser)

1 Mrz

„Es wird immer wieder in den deutschen Massenmedien wiederholt, die USA hätten Hitler gestoppt. Daher sei ihre Gewalt jetzt überall richtig. Doch das ist beides falsch. Natürlich haben die USA einen Beitrag zum Sieg über Hitler geleistet. Aber es war die Sowjetunion die 1943 den Vormarsch von Hitler in Stalingrad stoppten. Erst als die Deutschen auf dem Rückzug waren und die Sowjets Richtung Atlantik marschierten, eröffneten die USA die zweite Front im Rücken der sich schon zurückziehenden Armee von Hitler. Wer diese grosse Bewegung aus der Distanz beobachtet, sieht, die Sowjetunion und nicht die USA haben den entscheidenden Sieg über Hitler erkämpft. Die Sowjetunion hatte im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen Hitler 27 Millionen Tote zu beklagen, die USA nur 300’000. Auch wenn man diesen 80-mal höheren Blutzoll vergleicht, wird deutlich: Die Sowjetunion hat Hitler besiegt. Zudem fand der Kampf auf sowjetischem Boden statt, Hitlers Armee war nie auf amerikanischem Boden. Historisch korrekt ist es zu sagen, die Sowjetunion und die USA haben Hitler besiegt. Wenn man nur ein Land nennen will, dann ist es korrekt zu sagen, die Sowjetunion hat Hitler besiegt, das liest man in den deutschen Massenmedien praktisch nie. Irreführend ist es, beim Sieg über Hitler nur die USA allein zu nennen. Die Friedensforschung hat also einen etwas anderen Blick auf den Zweiten Weltkrieg, und sie betont auch, dass aus dem Sieg über Hitler nicht abgeleitet werden darf, dass nun jeder Einsatz von Gewalt durch die Sowjetunion richtig ist und beklatscht werden soll.“

Daniele Ganser in dem Interview „Die Welt an der Schwelle“ im Gespräch mit Das Goetheanum, 17. Februar 2017. Daniele Ganser ist ein Schweizer Historiker und Publizist. Er wurde mit seiner 2005 veröffentlichten Dissertation NATO-Geheimarmeen in Europa bekannt.

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